Jubiläums-Chorkonzert in Wolfsburg


Händels Messias ein wahrer Erlöser

Licht und Schatten beim Chorkonzert im Theater

Dieser "Messias" war ein wahrer Erlöser! Das "Hallelujah" aus dem bekannten Oratorium von Georg Friedrich Händel gelang Männer- und Frauenchor bei ihrem Jubiläumskonzert ausgesprochen gut, und das machte manche Schwache des Abends wieder wett. 

50 Jahre Männerchor, 30 Jahre Frauenchor, im Theater war am Samstag Hochbetrieb auf den Zuschauerrängen und auf der Bühne. Der Auftritt der beiden Sanges-Ensembles geriet zum freundlichen Heimspiel vor Freunden und Familienangehörigen. Den instrumentalen Part übernahm das Orchester der Volkswagen AG unter Leitung von Michael Pattberg. Die Leistung der Instrumentalisten: ohne Fehl und Tadel! Besonders herauszuheben ist die Präsentation der Morgenstimmung aus der Oper Peer Gynt von Edvard Grieg. Das Stück gehört bei vielen Konzerten zum Repertoire des Orchesters, scheint so etwas wie seine Spezialität zu sein. Entsprechend ansprechend vermitteln die Musiker unter Leitung von Pattberg die romantische Grundstimmung, das war am Samstag einmal mehr der Fall. Ansonsten trat das Ensemble noch mit der Ouvertüre zur Verdi-Oper Nabucco und zu Carl Maria von Webers Freischütz als alleiniger Klangkörper in Erscheinung. Als Begleitung der Chöre stand es unter den Dirigaten von Bernfried Pröve (Männerchor) und von Hans Martin (Frauenchor).

Dass die Instrumentalisten, ob Bläser oder Streicher, temporär die Sängerinnen und Sänger dominierten, war ein klanglich-künstlerisches Manko, das ihnen nicht unbedingt anzulasten war. Das Programm, das die Chöre gewählt hatten, war zum Tell sehr anspruchvoll und die Ensembles gerieten bisweilen an ihre sanglichen Grenzen. Schwer hatten es vor allem die Tenöre des Wolfsburger Männerchors, die Baritone konnten sich leichter - wenn auch nicht immer - behaupten. Einen Solisten hatte der Konzertabend in Armin Ahlers. Der Tenor sang gemeinsam mit dem Männerchor "Die Seele des Weltalls" von Wolfgang Amadeus Mozart und "Nachthelle" von Franz Schubert. War seine Interpretation der mozartinischen Melodie noch angemessen, wenn auch ohne große stimmliche Ausstrahlung, so mangelte es der Nachthelle an jeglicher Strahlkraft. Frisch, fröhlich pointiert, so brachten die Frauen den Chor der Brautjungfern aus dem Freischütz auf die Bühne. Urteil: gelungen! Und auch der Jägerchor, dargeboten von den Männern - wahrlich kein leichtes Stück - war (an-)hörenswert. Licht und Schatten wechselten also beim Konzert, am Ende jedoch wurde es - wie eingangs erwähnt - mit dem "Messias" doch noch hell.

Oberbürgermeister Roll Schnellecke lobte abschließend beide Chöre als Botschafter Wolfsburgs und wünschte ihnen, dass sie stimmlichen Nachwuchs fänden. Es wäre den Ensembles zu wünschen.

Andreas Stolzvon, Wolfsburger Nachrichten, 27. Mai 2002