Pressekonferenz

Der Mensch singt, tanzt, filmt – und Gott lenkt

Am 3. Juli wird Bernfried Pröves Oratorium "Josef und seine Brüder" in Braunschweig uraufgeführt

Falls denn die altehrwürdige, wieder und wieder ausgelotete Josefsgeschichte aus der Bibel (Genesis, Kapitel 37-50) mal in einem frommen Spruch zusammengefasst werden darf, wäre das wohl dieser: Der Mensch denkt, und Gott lenkt.

In dieser Hinsicht göttlich verlief gestern die Vorstellung eines steilen Braunschweiger Uraufführungs-Projektes: Akkurat gelenkt, einer nach dem anderen, traten die diversen Anreger, Urheber, Ausführende und Unterstützer des Oratoriums "Josef und seine Brüder" des 1963 in Braunschweig geborenen Komponisten Bernfried Pröve in der Katharinenkirche auf, um ihre Ideen vorzustellen. Mächtig multimedial wird das Ganze. Genauer: Als Musik, Literatur, Film, Tanz und Benefiz besprochen waren – und man gerade bemerkte, dass die Malerei irgendwie zu kurz kommen könnte –, da berichtete Pröve noch von einem Josef-Malwettbewerb für Kinder.

Doch zunächst die zentralen Fakten: Die Uraufführung von Pröves Werk findet am 3. und 4. Juli in St. Katharinen statt, und am 5. Juli gibt’s "Josef" in der Klosterkirche St. Marienberg zu Helmstedt. 200 Sängerinnen und Sänger des Studiochores, der Katharinen-Kantorei und der Camerata Vocale aus Braunschweig, Gesangssolisten, das Sinfonieorchester Bohemia Prag, ein Organist, ein Sprecher, eine Tänzerin sowie ein Filmkünstler wirken mit. Die Leitung hat Professor Manfred Ehrdorn.

Die Anregung stammt von der Bibel- und Kulturstiftung der Braunschweiger Bibelgesellschaft. Zunächst war nur eine kleine vergleichende Lesung aus Bibel und Thomas Manns Josef-Roman vorgesehen, doch als Pröve dazustieß und sagte, genau das sei lange schon sein Stoff, in vier Wochen könne er die Komposition abliefern, als dann auch Unterstützer wie der Vereinigte Kloster- und Studienfonds, die Stiftung Nord-LB/Öffentliche und die Lotto-Stiftung einstiegen, nahm das Projekt stattliche Ausmaße an.

HBK-Absolvent Florian Krautkrämer drehte mit der Tänzerin Daniela Grubert – und mit Pröve als Jakob – einige Szenen, um die elektronisch unterstützte Musik via Beamer und Leinwand zu flankieren. Als Solisten wurden Staatstheater-Bariton Henryk Böhm, die Sopranistin Jacqueline Treichler und die Mezzosopranistin Uta Grunwald engagiert. Am wichtigsten ist den Beteiligten, dass sich die emotionale Dichte des Stoffes möglichst intensiv mitteilt.

So wird die Tänzerin während der Aufführung durch die Reihen gehen und den Besuchern die Hand auf die Schulter legen. "Die Frage des Stückes ist doch für alle Menschen wichtig: Gibt es einen Plan?", ruft Pröve und zieht sogar einen alten "Stern" aus der Tasche, dessen Titelbild die Erfurter Schultragödie veranschaulicht. Der Schluss des auf der "Guten Nachricht" basierenden "Josef"-Librettos deute jedenfalls die Lösung an, sagt Pröve. Er lautet: "Glaub an dich, vertraue dir."

Von Harald Likus, Braunschweiger Zeitung, 07.05.2004